Sarah Ambrosi
doubles lassen die wörter von der leine

Was passiert eigentlich, wenn Kunstwerke wiederholt werden?
Meine Arbeiten sind ohnehin nicht in der Weise einzigartig wie Malerei, bei der jeder Pinselstrich eine Singularität ist. Sie folgen einem digitalen Entwurf, es gibt Schnittmuster aus Papier, die sie reproduzierbar machen und die ich aufbewahre, auch wenn ich normalerweise davon absehe, Dubletten oder Varianten umzusetzen. Für die Ausstellung „doubles lassen die wörter von der leine“ habe ich alle bisher entstandenen Textilbilder im Maßstab 1:15 als Stickereien reproduziert – sodass sie in den Koffer und in den einen Raum passen.

Die Idee war aber nicht Überwältigung, sondern eine Umkehrung des Verhältnisses von Bild und Titel. Die Titel spielen eine wichtige Rolle in meinem Werk, ziehen sich aber gerne in ihr Versteck hinter den Bildern zurück. Ihre Poesie kommuniziert etwas, dessen Milieu das heimliche Selbstgespräch ist und das laut auszusprechen grobe Dissonanzen provoziert. Diesmal aber werden die Titel ans Licht geholt und die Wörter von der Leine gelassen – nicht in einer lediglich installativen Geste, sondern eben durch die Tatsache, dass die gezeigten Bilder Wiederholungen sind. Die Reproduktion verschiebt die Aufmerksamkeit vom Sichtbaren zum Denkbaren; zu sehen sind mit den gestickten Miniaturen also nur Beispiele für die ihnen zugeschriebenen Titel, und die Betrachter sind aufgefordert, sich weitere Möglichkeiten auszumalen.

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flachlegen

doubles let the words off the leash

What happens when works of art are repeated?
My textile images, in any case, are not unique in the same way paintings are, where every brushstroke is a singularity. They follow a digital design; there are paper patterns that make them reproducible, and I keep these, even though I usually refrain from creating duplicates or variations. For the exhibition “doubles let the words off the leash”, I have reproduced all the works created to date as embroideries on a scale of 1:15—so that they fit into the suitcase and within a single room. The idea, however, was not to overwhelm, but to reverse the relationship between image and title. Titles play an important role in my work, yet they tend to conceal behind the images. Their poetry conveys something whose natural habitat is secret soliloquy, and which, when spoken aloud, provokes shrill dissonance. This time, however, the titles are brought to the fore, and the words are let off the leash—not merely as an installation-based gesture, but precisely because the images on display are repetitions. Reproduction shifts the focus from the visible to the conceivable; thus, the embroidered miniatures exhibited are only examples of the titles attributed to them, and viewers are invited to imagine further possibilities.

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