doubles lassen die wörter von der leine
Was passiert eigentlich, wenn Kunstwerke wiederholt werden?
Meine Arbeiten sind ohnehin nicht in der Weise einzigartig wie Malerei,
bei der jeder Pinselstrich eine Singularität ist. Sie folgen einem digitalen Entwurf,
es gibt Schnittmuster aus Papier, die sie reproduzierbar machen und die ich
aufbewahre, auch wenn ich normalerweise davon absehe, Dubletten oder Varianten
umzusetzen. Für die Ausstellung „doubles lassen die wörter von der leine“ habe ich
alle bisher entstandenen Textilbilder im Maßstab 1:15 als Stickereien reproduziert –
sodass sie in den Koffer und in den einen Raum passen.
Die Idee war aber nicht Überwältigung, sondern eine Umkehrung des Verhältnisses von
Bild und Titel. Die Titel spielen eine wichtige Rolle in meinem Werk, ziehen sich
aber gerne in ihr Versteck hinter den Bildern zurück. Ihre Poesie kommuniziert etwas,
dessen Milieu das heimliche Selbstgespräch ist und das laut auszusprechen grobe
Dissonanzen provoziert. Diesmal aber werden die Titel ans Licht geholt und die Wörter
von der Leine gelassen – nicht in einer lediglich installativen Geste, sondern eben
durch die Tatsache, dass die gezeigten Bilder Wiederholungen sind. Die Reproduktion
verschiebt die Aufmerksamkeit vom Sichtbaren zum Denkbaren; zu sehen sind mit den
gestickten Miniaturen also nur Beispiele für die ihnen zugeschriebenen Titel, und die
Betrachter sind aufgefordert, sich weitere Möglichkeiten auszumalen.
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doubles let the words off the leash
What happens when works of art are repeated?
My textile images, in any case, are not
unique in the same way paintings are, where every brushstroke is a singularity. They
follow a digital design; there are paper patterns that make them reproducible,
and I keep these, even though I usually refrain from creating duplicates or
variations. For the exhibition “doubles let the words off the leash”, I have
reproduced all the works created to date as embroideries on a scale of 1:15—so that
they fit into the suitcase and within a single room.
The idea, however, was not to overwhelm, but to reverse the relationship between
image and title. Titles play an important role in my work, yet they tend to
conceal behind the images. Their poetry conveys something whose natural habitat is
secret soliloquy, and which, when spoken aloud, provokes shrill dissonance. This
time, however, the titles are brought to the fore, and the words are let off the
leash—not merely as an installation-based gesture, but precisely because the images
on display are repetitions. Reproduction shifts the focus from the visible to the
conceivable; thus, the embroidered miniatures exhibited are only examples of the
titles attributed to them, and viewers are invited to imagine further possibilities.
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